Woher kommt die Kraft, die alle Menschen – Führungskräfte aber im Besonderen – jeden Tag brauchen? Jene Kraft, die dann nötig ist, wenn Spaß und Motivation aufgebraucht, alle Methoden wirkungslos geworden und alle Tricks verpufft sind – aber die Aufgabe noch nicht erfüllt, das Ziel noch nicht erreicht ist?

Die Antwort liegt in den Werten. Die Werte sind Orientierungsgrößen, Antreiber, sie deuten was ist richtig, was ist falsch, sie sind die Leitplanken für unser Denken und Handeln. Werden die Werte mit Füßen getreten, sind wir nicht motiviert und engagiert.

Die Bedeutung werteorienterter Führung

So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich möchten wir führen bzw. geführt werden. Passen z.B. die Persönlichkeiten nicht zur Aufgabenstellung oder zum Umfeld, in dem sie arbeiten, können die Menschen nicht ihren optimalen Einsatz bringen. Für das Leadership bedeutet das: Ist Führung nicht passend (kongruent) zu den Werten, wirkt sie nicht und löst beim Mitarbeiter Widerstand aus.

Werteorientierte Führung formt ein Unternehmen im Innern. Das Verhalten der Unternehmensführung ist ein entscheidender Faktor für die Unternehmenskultur. Verändert die Führung ihr Verhalten – wie zum Beispiel in einem Veränderungsprozess – bedeutet das einen großen Eingriff in den weiteren Ablauf des Prozesses, den sie maßgebend beeinflussen kann. Jetzt gilt es, die unter den Mitarbeitern verbreitete Unsicherheit durch Transparenz und Halt abzubauen und die Menschen sicher durch den Veränderungsprozess zu führen. Eine Führungskraft kann in einem solchen Prozess auch als Richtungsweiser fungieren, der zeigt, wie sich die Mannschaft eine zur neuen Situation passende Verhaltensweise aneignet.

Warum Führung oft nicht funktioniert

Zwar haben Führungskräfte das Einfühlungsvermögen, sich auf die jeweiligen Persönlichkeiten ihrer Mitarbeiter einzustellen, jedoch verbleiben sie oft in ihrem eigenen Welt- und Werteverständnis. Sie müssen allerdings lernen, aus diesem herauszutreten, um in die Welt des Unternehmens und der Mitarbeiter sprichwörtlich eintauchen zu können. Das bedeutet eine Erweiterung der Gedankenwelt.

Gerade beim Arbeitgeberwechsel einer Führungskraft kommt es häufig vor, dass ihre bisher gut funktionierenden Verhaltensmuster bei der neuen Stelle plötzlich absolut fehl am Platz sind.

Wichtig für die Führungsarbeit

Wer werteorientiert führen möchte, muss die folgenden vier Aspekte beachten:

  • Auf welcher Werteebene liegen die Management-Richtlinien oder Führungsleitlinien des Unternehmens?
  • Auf welcher Werteebene befindet sich die Führungskraft?
  • Auf welcher Werteebene denkt und agiert der zu führende Mitarbeiter?
  • Welche Art von Arbeit ist zu tun und welchen Charakter erfordert/besitzt diese Tätigkeit?

Um bestmöglich führen zu können, ist es absolut essenziell, die Einzigartigkeit eines jeden Mitarbeiters zu berücksichtigen: als Teil des Systems, mit seinen Handlungen, Gefühlen, seiner Motivation und seinen Werten und Denken – und natürlich auch mit seinen Fähigkeiten. Es müssen also die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Mitarbeiter motivieren, seine Kompetenzen gezielt einzusetzen und neue Ideen zu entwickeln. Passen die Rahmenbedingungen, arbeiten Menschen auch gerne und können sich mit dem Unternehmen besser identifizieren.

„Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“ – George Bernhard Shaw

Wer erfolgreich führen möchte, muss sich nicht nur über sein Verhalten und somit auf seine Wirkung auf andere bewusst sein, sondern muss auch wissen, in welchem Umfeld er sich befindet und welche Werte dort maßgebend sind. Eine Tatsache, die leider oft vernachlässigt wird.