Der Begriff Unternehmenskultur ist heute in aller Munde. 94% der Geschäftsführer halten sie für einen wichtigen Erfolgsfaktor. Doch was genau versteht man eigentlich darunter? Wie unterscheidet sich die Kultur erfolgreicher Unternehmen, von der weniger erfolgreicher Unternehmen? Und wie können Herausforderungen und Chancen erkannt und Veränderungen durchgeführt werden?

Märkte verändern sich, Kundenbedürfnisse und Anforderungen sind nicht mehr die gleichen, neue Generationen suchen andere Arbeitsbedingungen und Jobmodelle. Technische Fortschritte und veränderte politische Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass sich Mitarbeiter, Abteilungen und Unternehmen anpassen müssen. Vorstände und Geschäftsführer unterstehen einem Leidensdruck, das Unternehmen und seine Kultur verbessern zu müssen, weil sich der einstige Erfolg verflüchtigt hat. Zusätzlich kommen viele Unternehmen mit den veränderten Bedingungen nicht mehr klar. Dabei wird oft versucht, neue Probleme mit alten Lösungswegen zu meistern – das funktioniert größtenteils nicht. Den Entscheidern fehlt es jedoch häufig an einem grundlegenden Verständnis der eigenen Unternehmenskultur und gleichzeitig an Ansatzpunkten zur Veränderung dieser.

Erfolg durch Umsetzung

Besonders erfolgreiche Unternehmen fangen dort erst richtig an, wo andere bereits aufhören: bei der Umsetzung. Es reicht nicht, Unternehmenswerte und Strategien in den oberen Etagen zu beschließen und diese Information an die Mitarbeiter weiterzugeben. Gelungene Change-Prozesse zeichnen sich durch eine Übereinstimmung aus strategischer Orientierung und operativer Umsetzung aus. Absolut von Bedeutung ist hierbei, dass Manager, Personaler und Vorstände auf die gleichen Schwerpunkte setzen. Denn Unternehmenskultur beruht auf gemeinsamen Überzeugungen, die vom Teilzeitpraktikanten bis zum Top-Management geteilt werden sollten.

Graves-Modell und 9 Levels

Edgar Schein, Mitbegründer der Organisationspsychologie, schrieb sehr treffend: „Man muss also die Unternehmenskultur ernst nehmen, weil sich ihre Auswirkungen antizipieren lassen und man entscheiden kann, ob man sie will oder nicht“ (Schein, 2003). Zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema Unternehmenskultur gehört ihre regelmäßige Überprüfung durch vorhandene Instrumente. Prof. Graves leitete aus seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Stufen-Modell menschlicher Entwicklung ab. Basierend auf Graves´ Modell und Krumms langjähriger Erfahrung im Beratungs- und Trainingsgeschäft entstand das „9 Levels for Value Systems“. Mit dessen Hilfe können Wertesysteme von Personen, Gruppen und Organisationen gemessen werden. Dabei geht es immer darum, inwieweit die aktuellen Wertehaltungen zur Umgebung passen. Ein onlinebasiertes Fragensystem ermittelt das aktuelle IST und das anzustrebende SOLL der Wertesysteme, wodurch mögliche Veränderungspotenziale aufgezeigt werden und darauf basierende Prozesse eingeleitet werden können.

Was ist „9 Levels“?

Die 9 Levels beschreiben jeweils Entwicklungsstufen, auf denen sich Organisationen, Gruppen oder Einzelpersonen befinden können. Diese gehen mit entsprechenden Wertesystemen einher. Den Weg der Entwicklung können wir uns dabei wie eine Wendeltreppe vorstellen, auf der wir Stufe für Stufe nach oben gehen. Dabei findet stets ein Wechsel von ICH- und WIR-Bezug statt, d.h. die Lösung der jeweiligen Heraus-forderung liegt einmal darin, sich die Umwelt anzupassen und einmal darin, sich selbst der Umwelt anzupassen. Diese Schritte bezeichnen wir auch als Coping-Mechanismen. Die beiden Grafiken zeigen die in Unternehmen typischen Herausforderungen beim Wechsel vom 4. (blau) zum 5. (orange) und vom 5. Zum 6. Level (grün).

In den deutschsprachigen Ländern stehen die meisten Unternehmen vor der Herausforderung, sich von Blau nach Orange oder von Orange nach Grün zu entwickeln.

 

Rainer Krumm 9Levels-Treppe-englisch

Die Zeit ist reif für neue Lösungswege – denn viele Entscheider und Unternehmen stehen vor komplexen und neuartigen Herausforderungen und Problemen und haben miterlebt, dass bewährte Konzepte nicht mehr funktionieren. Mit dem Modell der 9 Levels steht nun ein bewährtes und international erprobtes Modell zur Verfügung.

Rainer Krumm ist Gründer und Leiter des 9 Levels Institute for Value Systems und gilt als führender Experte zur Graves’schen Theorie und ihrer Anwendung. Der Institutsgründer bringt dabei seine Erfahrung als Trainer und Berater zahlreicher Veränderungsprojekte aus über 23 Ländern mit über 57 verschiedenen Nationalitäten mit ein.

Benedikt Parstorfer ist diplomierter Psychologe und derzeit Projektmitarbeiter am 9 Levels Institute for Value Systems.

Literatur:
Martina Bär, Rainer Krumm, Hartmut Wiehle (2007). Unternehmen verstehen, gestalten, verändern – Das Graves-Value-System in der Praxis. Wiesbaden: Gabler Verlag.
Rainer Krumm, (2012). 9 Levels for value systems, Haiger, Werdewelt Verlag