Ich war sehr erstaunt, was ich mit meinem letzten Newsletter ausgelöst habe. Die Reaktionen waren sehr emotional und reichten von das ist ja wohl das Allerletzte, respektlos, bis hin zu tolle Geschichte und vielen Dank, den Impuls habe ich gerade gebraucht.

Zwei Dinge habe ich daraus gelernt:
1.) Geschichten sind hervorragend geeignet, um Menschen zu erreichen. Mit einem schönen Excel-Sheet oder einer textüberladenen Folie hätte ich wahrscheinlich weniger Resonanz bekommen und weniger Menschen berührt.
2.) Mit einer guten Struktur funktioniert eine Geschichte jedes Mal. Es geht ja nicht nur darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern auch einen Punkt zu machen.

In fünf einfachen Schritten zu gelungenen Geschichten

Damit Sie Geschichten leichter für sich nutzen können, finden Sie hier am Beispiel der Flughafenstory eine vereinfachte Version der Heldenreise:

1.) Aktuelle Situation und vorstellen der Charaktere

Was ist der Kontext Ihrer Geschichte? Wer spielt wo wann mit? Liefern Sie hier Informationen, damit die Story für Ihre Zuhörer sinnvoll ist.

…es ist spät. Zu spät. Stellen Sie sich vor, Sie laufen durch den Flughafen Frankfurt. Ein Blick auf Ihre Uhr sagt Ihnen: „In 45 Minuten geht Dein Flieger und Du bist noch nicht einmal im richtigen Terminal.“ So ging es mir am letzten Sonntag. Am Abend zuvor war ich auf der ersten Mainzer Rednernacht und jetzt stehe ich vor der Anzeigetafel und stelle fest… mein Flieger startet im Terminal 2!

Zum Terminal 2 kommen Sie mit dem Bus. Der Fahrer blickt mich freundlich an und sagt: „Ich fahre in 3 Minuten ab.“ Noch 38 Minuten bis zum Abflug. Über den Lautsprecher hören Sie: „Ankunft im Terminal 2 in fünf Minuten.“ Waren Sie schon einmal spät dran?

2.) Auftauchen von Widerständen und Konflikten

Jede gute Story braucht einen Konflikt. Das kann ein innerer oder äußerer Widerstand sein, den es zu überwinden gilt. Ohne einen Konflikt haben Sie keine spannende Story.

5 Minuten später kommen wir am Terminal an. Zum Glück ist an der Sicherheitskontrolle nicht viel los. Hatte ich schon erwähnt, dass ich noch nicht eingecheckt war und keine Bordkarte hatte? Mit der Air Berlin App konnte ich mich nicht einchecken. Noch 33 Minuten bis zum Abflug. Jetzt kommt es drauf an. Ich setze mein breitestes Lächeln auf und zeige der Mitarbeiterin kurz das Handy. „Eigentlich dürfen Sie ohne Bordkarte nicht rein, aber ich sehe ja, bei Ihnen stimmt alles.“

Endlich am Gate angekommen
 20:03 Uhr, in 2 Minuten beginnt das Boarding. Die groß gewachsene Mitarbeiterin in blau schaut auf ihren Bildschirm. Wenn Sie an meiner Stelle vor dem Schalter gestanden hätten, hätten Sie gehört: „Sie sind ja noch gar nicht eingecheckt. Tut mir Leid, die Liste ist schon geschlossen. Ich kann sie nicht mehr mitnehmen.“

Vielleicht kennen Sie Situationen, in denen Sie kurz vor Ihrem Ziel sind und nur noch ein Schritt zum Erfolg fehlt. „Okay verstehe, das Boarding beginnt in 2 Minuten. Was können wir denn jetzt tun?“ Sie sagt noch einmal, dass die Liste geschlossen ist und es keine Möglichkeit mehr gibt.

3.) Lösung des Konfliktes

Wie haben Sie das Problem gemeistert, das Hindernis überwunden? Beschreiben Sie die Lösung ganz genau.

Nein heißt…
Innerlich spüre ich, wie mein Freund und Kollege Martin Limbeck mir die Hand auf die Schulter legt und sagt: „Michael, nein heißt Noch Ein Impuls Nötig! Mit meinem treusten deutschen Dackelblick sage ich: „Schauen Sie, es ist spät. Und ich möchte heute noch sehr gern nach Berlin. Bestimmt haben Sie viel zu tun. Wie können Sie mir dabei helfen, diesen Flug zu bekommen?“ Sie greift zum Hörer, telefoniert und druckt mir die Bordkarte aus. „Das war aber ein absolute Ausnahme, Herr Geerdts!“

4.) Machen Sie einen Punkt

Was haben Sie daraus gelernt? Was ist die Kernaussage, die Mitnahme-Botschaft?

Was ich daraus gelernt habe ist, dass ein nein nicht gleich nein bedeutet und es sich lohnt dran zu bleiben, auch wenn es schwierig wird. Wie sieht das bei Ihnen aus?

5.) Transfer

Obwohl die Geschichte von Ihren Erfahrungen handelt, können Ihre Zuhörer die gewonnenen Erkenntnisse jetzt auf sich beziehen. Dieser Punkt ist wichtig für den Transfer und um Ihre Zuhörer zum handeln zu motivieren.
5 Tipps für Sie:

• Nein bedeutet nicht gleich nein, sondern Noch Ein Impuls Nötig. Danke Martin.
• Stellen Sie keine problemorientierten Fragen (Warum nicht…)
• Stellen Sie lösungsorientierte Fragen (Wie können wir… was können wir…)
• Bleiben Sie dran, auch wenn Dinge nicht gleich klappen.
• Fahren Sie rechtzeitig zum Flughafen (okay, der geht an mich!)

Wenn Ihr Gesprächspartner das nächste Mal nein sagt oder Schwierigkeiten auftauchen, dann werden Ihnen diese oben genannten Tipps dabei helfen dran zu bleiben und Ihre Ziele eher zu erreichen.
Wenn Sie also das nächste Mal als Führungskraft, Verkäufer, Entrepreneur oder Trainer eine Geschichte erzählen, nehmen Sie sich die Zeit und folgen Sie diesen 5 einfachen Schritten. Es wird für Sie und für Ihre Zuhörer einen Unterschied machen. Bitte hinterlassen Sie gern einen Kommentar. Ich freue mich auf Ihre Meinung.