„Kleider machen Leute“ , „Schöne Menschen sind erfolgreicher“, „Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen“, „Neid ist besser als Mitleid“ – es existieren viele „Sinnsprüche“, die sich mit den Äußerlichkeiten im Berufsleben befassen oder an das Berufsleben angepasst werden. Doch was hat es nun wirklich mit dem Aussehen, dem Kleidungsstil oder auch mit Statussymbolen wie dem PS-Boliden als Firmen-Pkw auf sich? Sind es die kleinen Dinge, die über Erfolg und Misserfolg beim Kunden, in Verhandlungen oder in Bewerbungsgesprächen entscheiden? Wie wichtig ist es, optisch mit dem Strom zu schwimmen? Und gibt es sie, die ungeschriebenen Gesetze hinsichtlich Statussymbolen im Business Life, gegen die nicht opponiert werden sollte? Dem wollen wir an dieser Stelle unsere ganze Aufmerksamkeit widmen und beleuchten, wo die Grenzbereiche liegen und wo wir die absoluten No-Gos finden!

Jede Branche hat ihren eigenen Kleidungsstil!

Die Märkte sind vielseitig aufgestellt. Das bezieht sich an dieser Stelle nicht nur auf die Vielfalt an Branchen, sondern auch auf die Vorgaben, die in Bezug auf den Kleidungsstil gelten. Dass in einigen Branchen die Kleidung vorgegeben ist – siehe Fluggesellschaften – erleichtert den Mitarbeitern die morgendliche Suche nach der richtigen Bekleidung ganz enorm. Doch auch Sie werden sich sicherlich schon die Frage gestellt haben: Wie kleide ich mich heute, ohne gegen den Dresscode der eigenen Branche zu verstoßen? Dabei ist es im Grunde recht einfach gehalten: Wer in den Bereichen der Rechtsberatung arbeitet, in einer Versicherung tätig ist, im Bankgewerbe seinen Lebensunterhalt verdient oder in den Führungsetagen von multinationalen Konzernen sitzt, der muss sich der klassischen Business-Bekleidung bedienen, will er nicht unangenehm auffallen. Sind Sie jedoch im eher kreativen Segment tätig – Werbeagenturen, TV, Film, Printmedien oder der Musikbranche – wird von Ihnen quasi erwartet, dass die von Ihnen erwartete Kreativität sich auch im eigenen Dresscode wiedererkennen lässt. Das gilt natürlich auch, wenn Sie sich für eine Vakanz in einem solchen Unternehmen interessieren und darauf bewerben wollen.

Wenn der Ohrring zur Stolperfalle wird

Kein Mitarbeiter oder Bewerber sollte je die Tatsache unterschätzen, dass sein Gegenüber eine bestimmte Wahrnehmung beim Auftreten hat. Diese Wahrnehmungen fließen häufig unmittelbar in die Entscheidungsfindung mit ein – und da zählen dann selbst minimale Details. Beziehen wir uns einmal auf das Tragen von Ohrringen.

Ein topqualifizierter Bewerber, der nicht nur über einen „cum laude“-Abschluss verfügt, sondern auch den Background als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni vorweisen kann, bewirbt sich auf eine Vakanz in Top-Konzernen. Nach dem telefonischen Erstkontakt, der eine umgehende Weiterleitung in die Fachabteilungen zur Folge hat, folgt die schriftliche oder persönliche Bewerbungsphase. Jede dieser Bewerbungen wurde von den Personalern sofort mit einem Absageschreiben quittiert. Woran könnte es gelegen haben, denn fachlich ist der Bewerber eine absolute Koryphäe? Ein Blick auf das Bewerbungsschreiben bringt die schnelle Antwort: Deutlich sichtbare Piercings in den Ohren! Wieso ist dies ein Ablehnungsgrund?

Jede Personalabteilung achtet nicht nur auf die fachlichen Qualifikationen der Bewerber. Die Entscheidung, ob sich ein Bewerber für eine offene Vakanz im Unternehmen eignet, hängt ebenso von Faktoren ab, die in der Persönlichkeit des Kandidaten liegen. Dazu gehören zweifelsfrei auch die auffälligen Äußerlichkeiten bei Bewerbern. Lange Haare, unverdeckbare Tattoos oder deutlich erkennbare Piercings sind gerade dann, wenn das Unternehmen internationalen Standards zu genügen hat, ein No-Go. Gleiches gilt ebenso, wird das Unternehmen oder der Konzern von ausländischen Zentralen beherrscht. Dann greift nicht mehr der „deutsche Geschmack“ in den Personalabteilungen, es greifen japanische, amerikanische, chinesische oder englische Standards.

Wichtig sind in diesem Fall auch die Kundenkontakte, welche das Unternehmen pflegt. Wer sich in einem eher konservativen Markt bewegt, kann keinen hippen oder flippigen Mitarbeiter auf seine Kundschaft „loslassen“.

Würde es Ihnen helfen, wenn Sie sich verkleiden und Ihre Äußerlichkeiten ändern?

Bleiben wir beim Beispiel der Ohrringe und dem Absolventen mit den Top-Noten. Würde es ihm helfen, wenn er sich „verkleidet“? Nein, es geht nämlich nicht um die Frage, ob Ohrringe für Männer schön oder hässlich sind, sondern um die Frage der inneren Einstellung. Wer Top-Noten und beste Qualifikationen hat, der will einen bestimmten Weg im Unternehmen einschlagen. Da soll es ins Management gehen. Im Management sind weit größere Anpassungen notwendig, als auf das Tragen von Schmuck in den Ohren zu verzichten. Nur wer das wirklich verinnerlicht hat, ist auch bereit, eine solche Position erfolgreich zu bekleiden – ohne sich zu verkleiden. Und es steht fest, dass sich das Management in der Industrie aus Menschen rekrutiert, die zueinander passen, sich ergänzen. Steigt der Mensch in diese Sphären auf, ist er wie der Rest. Daher lassen sich viele Dinge durch eine einfache Frage an sich selbst beantworten: Tragen Top-Manager Ohrringe oder zerrissene Jeans? Nein. Frage beantwortet!

Die Etikette beim Dienstwagen

Über kaum ein Thema lässt es sich so trefflich „streiten“ wie über die Frage der „angemessenen Fahrzeuge“, mit denen Mitarbeiter beim Kunden vorfahren. Grundsätzlich müssen Sie sich vor Augen halten, dass nicht Sie es sind, der die Maßstäbe setzt. Der Markt bestimmt die Gesetzmäßigkeiten – auch beim Auto, welches Sie fahren sollen, dürfen oder gerade noch so können. Sie haben zu entscheiden: Welcher Pkw richtet vor Ort bei Verhandlungspartnern keinen Schaden an? So sehr die eigenen Mitarbeiter sich an den Gedanken gewöhnt haben, dass der „Chef“ einen „dicken Wagen fährt“ und es vielleicht sogar als Ansporn ansehen, in die Leitungsetagen aufzusteigen, so sehr reagieren Kunden unter Umständen angestoßen auf diesen Pkw.

Die Wahl des Wagens wird zu einem psychologischen Spiel. In Deutschland, das belegen viele Studien zu dieser Thematik, gelten Fahrzeuge als Persönlichkeitsmerkmale. Sie sind wie ein Anzug mit Rädern, den man sich überstreifen kann. Der Pkw sagt beim Gegenüber viel darüber aus, wie jemand seinen Lebensstil pflegt und wie die Arbeitsauffassung ist. Es werden Signale gesendet, die mit Schwächen oder Stärken in Verbindung gebracht werden.

Golf oder S-Klasse?

Es gibt sie, die Branchen, in denen Sie mit einem leistungsschwachen Kleinwagen viel zerstören können. Wer zum Beispiel als Unternehmensberater tätig ist und mit einem Kleinwagen bei einem Konzern vorfährt, den er gerne beraten möchte, der hat im Grunde schon im Vorfeld verloren. Das lässt sich wunderbar untermauern.

Der Unternehmensberater, der für einen Top-Kunden im Bereich der Rekrutierung für Führungskräfte tätig werden möchte, der muss signalisieren: Ich habe Erfolg, und diesen Erfolg zeige ich auch in einem angemessenen Rahmen. Ich finde im War for Talents den Top-Mitarbeiter, und das lassen ich mir von dir, lieber Kunde, auch bezahlen – und du wirst zufrieden sein. Fährt jetzt der Personalentscheider oder CEO des fraglichen Unternehmens eine S-Klasse von Mercedes, die noch nachhaltig von AMG bearbeitet wurde und so zur brachialsten Serienlimousine weltweit avanciert ist, wäre der Golf mit Serienausstattung, mit dem Sie selbst zu Kunden fahren, ein Armutszeugnis.

Richten Sie sich also stets am Kunden aus, wenn es um die Frage des richtigen oder angemessenen Fahrzeugs geht. Arbeiten Sie mit Handwerkern oder mit Unternehmen zusammen, denen der Cent etwas bedeutet oder die ökologisch orientiert aufgestellt sind, wäre der Sprit vernichtende SUV kein Auto, mit dem Sie beim Kunden vorfahren sollten. Wollen Sie als Leiter einer Werbeagentur einen Kunden überzeugen, dass Sie der richtige Partner sind, darf es hingegen auch gerne der Porsche sein, denn der signalisiert deutlich, Sie haben Erfolg mit Ihren Kampagnen!

Statussymbole in den unterschiedlichen Unternehmensbereichen

Natürlich existieren noch weit mehr Äußerlichkeiten, über die Sie im Berufsalltag stolpern können oder ohne die Sie möglicherweise signalisieren, Sie sind erfolglos. Nehmen Sie das Beispiel der Schreibgeräte. Haben Sie es in Ihrem Beruf mit dem Bereich der Vertriebler oder der Marketing-Experten zu tun, dürfen Sie nicht nur auf Status beim Schreibgerät zurückgreifen, Sie müssen es eigentlich sogar. Der Füller oder Kugelschreiber von Montblanc – am besten sogar das ganze Set der Meisterstücke im passenden Etui – gehört in diesen Abteilungen zum guten Ton. Sie signalisieren damit deutlich, dass Sie erfolgreich sind, Ihren Erfolg feiern und es geschafft haben, sich solche Schreibutensilien zu leisten. Das Schreibgerät als Spiegel Ihres Einkommens.

Doch Vorsicht, wenn Sie ein solches Schreibutensil beim Einkäufer zücken! Hier wird mit dem schreibenden Statussymbol sofort ein hoher – oder unangemessen hoher – Preis assoziiert. Der Einkäufer denkt, Sie geben das Geld, welches Sie an ihm verdienen, für Dinge aus, die niemand wirklich benötigt – denn auch der Schreiber aus dem 1-Euro-Laden tut seine Dienste, wenn Sie den Auftrag handschriftlich aufnehmen müssen.

Gibt es für dieses Problem eine Pauschallösung? Natürlich gibt es die. Niemand hält Sie davon ab, mehrere Schreibgeräte unsichtbar in Ihrer Tasche mit sich zu führen und dann den Schreiber zu zücken, welcher der Situation und Ihrem Gegenüber Rechnung trägt! Finden Sie stets die korrekte Antwort auf die Frage: Was ist angemessen? Kleckern oder doch lieber klotzen?