Bei mir um die Ecke gibt es eine Bäckerei. Dort gehe ich ab und zu frühstücken oder hole mir einen Cappuccino. So wie letzte Woche, als ich auf dem Weg zu einem Workshop war. Ich bestelle zwei Tassen, eine für meine Kollegin und eine für mich. Irgendwie war die Stimmung anders als sonst. Was war denn heute mit denen los? fragt mich meine Kollegin draußen. Die waren ja total muffelig. Sonst sind die doch immer gutgelaunt und freundlich. Ich konnte mir auch keinen Reim darauf machen und wir gingen weiter.

Am nächsten Morgen kommt Vaya, meine Kollegin, mir lachend entgegen. Du Michael, heute waren die total gut drauf und weißt Du, was die gefragt haben? Die wollten wissen, wer der komische Typ von gestern war. Der hat ja nicht mal guten Morgen gesagt und die ganze Zeit auf sein blödes Telefon gestarrt.

Autsch, das saß. Kommunikation ist ja bekanntlich das, was ankommt. Wie oft hatten Sie schon den Eindruck, Ihr Gegenüber ist gedanklich nicht bei Ihnen? Wie haben Sie sich da gefühlt? Und wie oft ist Ihnen das in Gesprächen selbst schon passiert? Also traf ich eine Entscheidung.

Am nächsten Morgen betrat mit einem fröhlichen Guten Morgen die Bäckerei. Vielleicht ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass viele Mitarbeiter Namensschilder tragen. Frau Müller, so eine jüngere, liebenswerte Version von Miss Marple, sind Sie bitte so nett und machen mir einen Cappuccino? Sie fragt, ob ich auch Zucker möchte. Um Gottes Willen nein, keinen Zucker. Stellen Sie sich jetzt bitte das Lächeln von Frau Müller vor. Sie sagt Am Morgen brauche ich meinen Kaffee, um wach zu werden. Und dann mit viel Zucker. Sonst geht gar nichts. Ich zwinkere ihr zu und sage Ich dachte, sind schön süß genug. Sie lächelt noch etwas mehr. Wir unterhalten uns noch einen Moment, bevor wir uns verabschieden.

3 Tage später bedient mich eine andere Mitarbeiterin. Auch sie fragt, ob ich Zucker möchte. Ahnen Sie meine Antwort? Um Gottes Willen nein, kein Zucker. Sie dreht sich um. Sind Sie dieser Kommunikationsdings und haben letzte Woche bei meiner Kollegin einen Kaffee bestellt?

Und dann sagte sie etwas sehr entscheidendes. Die strahlt heute noch. Sie glauben ja gar nicht, was man sich hier teilweise anhören muss. Manche Kunden grüßen einen nicht oder schauen einen beim reden gar nicht an. Da tut es richtig gut, wenn man das Gefühl hat, wahrgenommen zu werden.

Was ich daraus gelernt habe:

  1. Präsenz ist eine bewusste Entscheidung.
    Sie können sich bewusst entscheiden, dass Ihr Gegenüber in diesem Moment der wichtigste Mensch der Welt ist. Glauben Sie auch, dass Ihr Kunde oder Mitarbeiter das spürt?
  2. Wenn ich anderen eine Freude mache, geht es auch mir besser.
    Ich kaufe lieber dort, wo die Verkäufer gut drauf sind und Spaß haben. Sie auch? Was kann ich also tun, damit mein Gegenüber sich wohler fühlt?

Vielen Dank an Frau Müller, Lektion gelernt. Vielleicht achten Sie in den nächsten Tagen bewusst darauf, wo Sie mit Ihren Gedanken sind, wenn Sie mit Kunden, Mitarbeitern oder Ihrer Familie sprechen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim experimentieren und viele Aha-Erlebnisse.

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