Die Journalistin Rebecca Erken schreibt im Kölner Stadtanzeiger über mein Buch „Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y“ Folgendes…

Der Clash der Generationen beginnt schon im Treppenhaus: „Frau Burkhart, bitte den Handlauf benutzen“, ruft der Chef Steffi Burkhart zu, die nicht wie alle anderen Kollegen im Entengang hinter dem Vorgesetzten am Geländer entlang läuft. Als sie ihren ersten Job antritt, ist sie geschockt von der Konformität der anderen, den hierarchischen Strukturen und den veralteten Rollenbildern. Stichwörter: Stechuhr, Stempelsystem, Acht-Stundentage, Anwesenheitspflicht.

Schöne neue Arbeitswelt

Burkhart selbst sieht sich als Querdenkerin. Sie ignoriert den Handlauf: Sie läuft nicht mit, sie hinterfragt – wie so viele junge Berufstätige in ihrem Alter. Die Generation Y sorgt mit ihren Forderungen in vielen Unternehmen für Irritationen und krempelt langsam, aber sicher die Arbeitswelt um. „Wir leben alle nur einmal auf dieser Erde. Da möchte ich mehr tun, als nur sinnlosen Regeln und Anweisungen meines Chefs zu folgen“, sagt Burkhart. Da ist er wieder: der Sinn, den junge Menschen nicht nur in ihrem Privatleben, sondern auch im Beruf suchen. Die promovierte Gesundheitspsychologin hat diesem Thema ein ganzes Buch gewidmet. In „Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y“ erklärt sie anhand wissenschaftlicher Studien, aber auch anhand eigener Einschätzungen, wie ihre Generation tickt. Inzwischen berät die junge Kölnerin Unternehmen, wie sie sich besser auf die jungen Berufstätigen einstellen können.

Sprachrohr der Generation Y

Burkhart, Jahrgang 1985, inszeniert sich als Sprachrohr ihrer Generation, insbesondere, was die Arbeitswelt angeht: „Das Y steht für Warum, weil wir vieles infrage stellen. Und das ist auch gut so. Der Leidensdruck vieler Unternehmen ist hoch. Sie sollten nicht nur etwas verändern. Sie müssen es.“ Aber was genau sollen Firmen eigentlich ändern? Wie sorgt man für mehr Sinn, Kreativität und Freiheit im Betrieb? Steffi Burkhart hat da ein paar Ideen:

1. Querdenker einstellen

Bloß keine Andersdenkenden im eigenen Unternehmen, lautet oft noch die Devise in der freien Wirtschaft. „Immer noch streben zu viele Unternehmen nach Effizienzinnovation und stellen vorrangig Mainstream-Vertreter statt Abenteurer, Querdenker, Tüftler oder Weltverbesserer ein und mutieren so zu einer Institution mit geringem Innovationspotenzial“, schreibt die Autorin.

2. Raus aus der Komfortzone

Wir müssen raus aus der Routine, auch wenn sie so bequem ist. Nur wer für Neues offen ist, wird für Innovationen sorgen. Das sei weniger eine Frage des Alters als der Geisteshaltung, so Burkhart. Kontraproduktiv sind dagegen Aussagen wie diese: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Früher war alles besser“. Die einzige Konstante der heutigen Arbeitswelt ist laut Burkhart: „der Wandel“.

3. Schluss mit dem Abteilungsdenken

„Dafür bin ich nicht zuständig.“ Mal ehrlich, wer hat diesen Satz in seinem Arbeitsleben noch nie gesagt? Dabei sollten wir dieses fixe Schubladendenken in einer modernen Arbeitswelt wirklich hinter uns lassen: „Wir brauchen mehr Zusammenarbeit als geteilte Arbeit“, schreibt Steffi Burkhart. „Wissensarbeit und Innovation entstehen nicht mehr in Abteilungen, sondern abteilungsübergreifend – in der gesamten Organisation.“ Willkommen „team-übergreifendes Arbeiten“, willkommen „Projekte“!

4. Weniger Kontrolle, weniger Hierarchie

Hierarchie und Kontrolle müssten in der modernen Arbeitswelt stärker in den Hintergrund treten, erklärt Burkhart und zitiert Frank Kohl-Boas, Personalchef bei Google: „Wenn man Menschen kontrolliert, fordert man sie geradezu heraus, die Kontrollen zu umgehen, weil sie zeigen wollen, dass sie klüger sind.“

Führungskräfte sollten heute weniger auf Anweisungen und Kontrollgänge setzen – und stattdessen mehr über den Tellerrand blicken, um nonkonform denken und handeln zu können: „Denn Führung hat immer mehr mit Veränderung zu tun. “ Die Prinzipien, dynamischer Führung sind laut Burkhart: „Sich selbst gut führen“, „immer Sinn und Nutzen vermitteln“, „Feedback geben und nehmen“, „Austausch auf Augenhöhe“, „Talente trainieren“, „Leistungsträger vorbeiziehen lassen“, „digitalen Durchblick haben“, „Zusammenarbeit fördern“.

5. Das Ende des Lebenslaufs

„Sie haben eine Lücke im Lebenslauf. – Ja, war geil“, zitiert Steffi Burkhart einen Twitter-User. Sie appelliert dafür, dass Personaler ihre Anforderungen, die aus einer linearen Zeit stammen, die lineare Karrieren zuließ, über Bord werfen. In unserer hochkomplexen Welt muss auch in den Lebensläufen nicht unbedingt der rote Faden erkennbar sein, nach dem Personaler immer suchen. Vielmehr werde es „Zickzack-Karrieren“ in „Patchwork-Lebensläufen“ geben, „in denen Unterbrechungen oder Richtungswechsel zur Selbstverständlichkeit gehören“.

6. Familien- und Väterfreundlichkeit

Viele junge Frauen wollen nicht mehr auf eine Karriere verzichten. Und nicht nur das: „Junge Männer wollen heute eines nicht mehr: den Beruf über die Erziehung ihrer Kinder stellen“, schreibt Burkhart. Hinzu kommt: „Das Paket aus Finanzierung der eigenen Kinder, privater Vorsorge, einer höheren Einzahlung in die Rentenkasse, steigenden Lohnnebenkosten und steigenden Mietpreisen in Ballungszentren lässt sich mit dem Alleinverdienermodell heute nicht mehr tragen.“ Heutzutage dürfe Familienfreundlichkeit in Unternehmen nicht mehr daran scheitern, dass es in Notsituationen, etwa bei Streiks oder spontaner Mehrarbeit, an Kinderbetreuung fehle. Wir benötigen laut Burkhart auch „Familienhelfer, Jobsharing sowie mehr Spielraum in der Zeitplanung und Arbeitsorganisation.“

Eine unnötige Präsenzkultur sei Gift für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Was wir brauchen sind mündige Mitarbeiter, die je nach Lebensphase selbst oder im Team entscheiden können, wie sie ihre Tages- und Wochenzeit ressourcensparend, effizient und gewinnbringend einsetzen.“

7. Work-Life-Blending

Nicht selten hangeln sich Arbeitnehmer der Babyboomer-Generation von Feierabend zu Feierabend, von Urlaub zu Urlaub – als sei die Arbeit keine Lebenszeit. Die Generation Y möchte laut Burkhart aber „nicht erst nach 17 Uhr mit dem glücklichen Teil des Lebens anfangen“. In unserer sich immer rasanter ändernden Welt sei es immer schwieriger, Arbeitszeit und Lebenszeit strikt zu trennen. „Umso absurder ist die Tatsache, dass in vielen Unternehmen nach wie vor mit Stechuhrsystemen und hoher Präsenzkultur gearbeitet wird.“

Das Prinzip der Work-Life-Balance müsse durch das „Work-Life-Bending“, der Verschmelzung von Arbeitszeit und Lebenszeit, ersetzt werden: „Was jedoch nur dann möglich ist, wenn Aufgaben unseren Stärken entsprechen, wir Sinn erkennen, in dem was wir tun, und uns das, was wir tun, auch wirklich Spaß macht.“ Burkhart jedenfalls denkt, dass sich in Zukunft nicht mehr die jungen Menschen für die Unternehmen verbiegen müssten – sondern umgekehrt die Firmen für die Generation Y.